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aus Grades im schönen Metnitztal in Kärnten!

Mitten im romantischen Metnitztal kann der Markt Grades mit einer besonderen Perle spätgotischer Baukunst aufwarten. Im Süden des Marktes, der zwar eine ansehnliche Pfarrkirche besitzt, steht hoch über die Bürgerhäusern auf einem nach allen Seiten ziemlich steil abfallenden, begrünten Felsplateau die stark befestigte Wallfahrtskirche St. Wolfgang, die bedeutende Ausmaße aufweist.

Grades

Wenn man sich diesem sakralen Bauwerk nähert, wird man von der starken Wehranlage und dem gotischen Bauwunder, das zu den schönsten spätmittelalterlichen Kirchenbauten Kärntens zählt, in gleicher Weise beeindruckt. Man ist höchst erstaunt darüber, dass hier, beinahe in der Einsamkeit und nicht im Mittelpunkt menschlicher Siedlungen, ein so großartiger Kirchenbau entstehen konnte, der mit einer Länge von 36 m und einer Breite von 10,6 m viele Pfarrkirchen des Landes in den Schatten stellt. Über die Entstehung dieser gotischen Prachtkirche erzählt man im Metnitztal eine interessante Sage.

Wo jetzt die Kirche steht, soll früher ein Heilbringender Quell aus dem Berg gesprudelt sein. Nun kam einmal eine fromme, aber kränkliche Prinzessin nach Grades und nahm in diesem Wasser täglich ein Bad. Sie wurde wieder gesund und ließ als Dank dafür an jener Stelle eine Kirche bauen. Als Bauzeit stellte sie den Arbeitern eine sehr kurzen Termin. Der Baumeister und seine Leute konnten in dieser kurzen Zeit trotz allen Fleißes die Kirche nicht fertig bauen. Als der Baumeister an einem Abend im nahen Wald saß und auf Abhilfe sann, erschien ihm plötzlich der Leibhaftige und fragte ihn nach dem Grund der Traurigkeit. Der dem Verzweifeln nahe Baumeister erzählte dem Teufel sein Los, und dieser versprach, ihm zu helfen, wenn das erste Geschöpf, das in die neue Kirche komme, ihm gehöre. Der Baumeister war über den vorgeschlagenen Ausweg erfreut und willigte in diesen Handel ein. - In der Nacht wimmelte es nun auf dem gotischen Bau von unheimlichen Gestalten, und als in Grades die Morgenglocke den neuen Tag verkündete, waren die vielen Gehilfen aus der Hölle mit der Kirche fertig. Alles staunte über dieses Wunder. Den Baumeister aber quälte doch das Gewissen, als er von seiner Vereinbarung mit dem Teufel erzählte. Nun wollte natürlich niemand als erster die neue Kirche betreten. Nach langer Beratung einigte man sich schließlich auf einen schlauen Ausweg. - Damals schlichen im Metnitztal noch die Wölfe durch die dunklen Wälder. Am Abend band man ein Schaf an das offene Kirchentor. Das jämmerliche Blöken dieses Tieres lockte tatsächlich einen Wolf herbei, der das arme Tier vom Stricke riss, es in die Kirche zog und dort ungestört verzehrte. Der Satan, der auf ein menschliches Geschöpf gelauert hatte, sah sich nun betrogen und zerriss in seiner grausamen Wut den Wolf in tausend Stücke. Bei seinem Verschwinden nahm sich der Teufel nicht einmal Zeit, das offene Tor zu benützen; er fuhr vielmehr mit einem donnerähnlichen Knall über die Empore durch die Wand ins Freie. Viele Jahre soll es nicht gelungen sein, jenes unheimliche Loch zu vermauern. Erst mit einem geweihten Mörtel soll die Wunde in der Wand geschlossen worden sein. Wegen der tollen Episode, bei der ein Wolf den ersten Gang in die fertige Kirche machte, nannten die Metnitztaler ihr neues Gotteshaus die "Wolfgangkirche". Dieser etwas naiven Sage kann man aber klare historische Tatsachen gegenüberstellen.

Die gotische Kirche ob Grades wurde von Bischof Johannes V. von Gurk um das Jahr 1455 erbaut. In jener Zeit bemühte sich Kaiser Friedrich III. beim Bischof in Regensburg um eine Reliquie des heiligen Wolfgang, der sich auf seiner Pilgerreise im Jahre 977 auch in Grades aufgehalten haben soll. Tatsächlich übergab der Abt des Benediktinerklosters St. Emmeran in Regensburg, wo der Heilige seine letzte Ruhestätte fand, eine Reliquie, und zwar das Stück eines Unterarmknochens, für die Neuerbaute Kirche in Grades. Diese Reliquie, in einer silbernen Kapsel geborgen, wird auch noch gegenwärtig verehrt; sie wird bei der "Großen Kirchweih" im Juli und am Patronziniumsfest, am 31. Oktober, den Gläubigen zum Kusse gereicht.

Grades - St.Wolfgang

Die neue St. Wolfgang - Kirche bei Grades war von ihrem Anbeginn eine viel besuchte Wallfahrtskirche und erhielt bereits 1459 von Papst Pius II. einen Ablassbrief. Die vielen Wallfahrer waren es, welche die finanziellen Mittel für den weiteren Bau dieser Kirche brachten, der 1474 vollendet war. Doch erst 1512 war auch das Kircheninnere entsprechend ausgestattet. Weil 1473 und 1476 die Türken in Kärnten einbrachen, hat man die St. Wolfgang-Kirche bereits in jenen Zeiten mit einer mächtigen Wehranlage umgeben, um die kostbaren Heiligtümer dieser Kirche vor der Plünderungsgefahr zu schützen. Die Bevölkerung selbst fand beim Nahen der türkischen Horden im Schloß von Grades sichere Zuflucht, wie dies im Jahre 1478 auch der Fall war. Von den zahlreichen Wehrkirchen Kärntens besitzt wohl St. Wolfgang ob Grades die stärkste Befestigung. Der 60m lange und 30m breite, beinahe rechteckige Kirchenhof wird von einer an manchen Stellen 7m hohen Mauer umgeben, die an der jäh abfallenden Südwestecke sogar eine Höhe von 9m erreicht. Die Mauerdicke beträgt etwa 75cm.

Tor

Von der Südseite führt das Haupttor in diese gewaltige Kirchhofbefestigung. Der große Torflügel besteht aus einem Rahmengerüst von starken Bohlen, auf welche sieben dicke Bretter genagelt sind. Schwere Eisenbeschläge gaben dem Tor eine besondere Widerstandskraft. Das Tor war von innen durch zwei große Balken zu sperren. Weil hier die Mauer einen vorspringenden Winkel macht, konnte man eine Schießscharte direkt auf das Tor richten, um die Feinde beim Hantieren am Tor unter Beschuss zu nehmen. Das Tor ferner vom Torhäuschen aus verteidigt werden, das ebenfalls Schlüsselscharten und ein nunmehr vermauertes Guckloch besaß. Damit nicht jeder Wallfahrer das große, schwere Tor zu öffnen brauchte, gab es im Osten, gegen den Markt zu, noch eine kleine Pforte.

Kleines Tor

Daneben ist in die Mauer eine Behausung eingefügt, in welcher der jeweilige Geistliche der stark besuchten Wallfahrtskirche wohnte. In unserer Zeit lebt hier die freundliche Mesnerin, die den Besuchern der Kirche gerne den großen Kirchenschlüssel ausfolgt. Die Mauer selbst weist viele Schlüsselscharten auf und zeigt noch Reste von Treppen und Spuren des ehemaligen Wehrganges. Vom Wehrgang aus konnte an einer nördlichen Ausbuchtung der Mauer auch ein Aborterker betreten werden. Im Westen schließt die Kirchenhoffestung mit der Außenwand des Turmes ab, unter dem eine durch ein schönes Sterngewölbe überdeckte Halle den Nord- mit dem Südteil des Kirchhofes verbindet. Von der Turmhalle führt eine Pforte in die Kirche. Der große Quadersteinbau der Kirche besitzt am Langhaus und am Chor starke Strebepfeiler, die vierfach abgetreppt sind. Die Kirche wird zumeist durch das hohe Tor an der Südfront betreten. Hoch, frei und licht wirkt das Schiff, das von einer strahlenden Helligkeit durchflutet wird. Während das dreijochige Langhaus durch eine Eitonne mit Stichkappen auf profilierten Baldachindiensten abgeschlossen wird, trägt der ebenfalls dreijochige Chor ein Netzrippengewölbe auf kapitellosen Runddiensten. An beiden Gewölben zeigen sich sehr zierliche gotische Blüten- und Rankenmalereien.

Flügelaltar

Am großartigsten wirkt der große Flügelaltar aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts in der Mitte des Chores, der nach dem Altar von Heiligenblut als der schönste Flügelaltar Kärntens gilt. Reiches Schnitzwerk mit vorzüglichem plastischem und malerischem Schmuck zeichnet dieses Meisterwerk der Gotik aus. Der im Mittelfeld thronende St. Wolfgang wird von den Heiligen Laurentius und Stephanus flankiert. Die Flügel zeigen im Relief die Verkündigung Mariens, die Geburt Jesu, Mariens Tod und die Krönung Mariens im Himmel; bei dieser letzten Szene ist die dritte göttliche Person nicht als Taube, sondern als Mann dargestellt. Drei Männer halten die Krone über dem Haupte Mariens. Die Darstellungsweise, die in Kärnten nur auf dem Flügelaltar in St. Wolfgang ob Grades zu sehen ist, wurde auf dem Trientiner Konzil, das von 1545 bis 1563 dauerte, zugunsten der "Heiligen-Geist-Taube" verboten.

Wallfahrtskirche St. Wolfgang mit Zwiebelturm Wallfahrtskirche St. Wolfgang mit Zwiebelturm

St. Wolfgang Kirche (Südseite) mit ursprünglichen Zwiebelturm vor dem Brand 1949

Wallfahrt

Das Dach der Kirche von St. Wolfgang ob Grades und ihr Turmhelm brannten
am 24. Juli 1949 ab.

Turm mit Sattelwalmdach

Die Schäden wurden rasch wieder behoben. Der Turm aber erhielt statt der barocken Zwiebel, die er seit 1766 trug, ein steiles Sattelwalmdach.

Turm mit Pyramidenhelm

Der Turm besaß nämlich ursprünglich einen Pyramidenhelm, wie er eben allem himmelwärts strebenden, gotischen Kirchen eigen ist. In den letzten Jahren wurde der Innenraum und das äußere der Kirche renoviert so dass sie heute wieder strahlend von weither zu sehen ist.

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Herausgeber: Raimund Knapp, 9362 GRADES - Für den Inhalt verantwortlich: Raimund Knapp - Aktualisiert am 24. November 2017